Veranstaltungs-Ticker

Getreideernte in den 1930er Jahren

Von Georg Hoffmann

 

 Hermann Winnemuth 

Nach einem Bericht von Hermann Winnemuth (Tiestraße 18) über die Getreideernte in den 1930er Jahren. 

Der Text wurde inhaltlich im Original übernommen und behutsam sprachlich angepasst.

 

 

Wussten Sie schon?

 

Juli

Beginn der Gerstenernte

 

16–20 Zentner

Gute Ernte pro Morgen

 

10 Garben

Ein Haufen zum Trocknen

 

Kirmes

Erntekrone als Tradition

 

 

Dengeln der Sense

 

Eine wichtige Arbeit vor der Ernte.

 

Hermann Winnemuth Tiestr. 18 beim Sense dengeln

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hermann Winnemuth beim Dengeln der Sense.

Diese sorgfältige Arbeit dauerte mindestens eine halbe Stunde.

Die Schneide wurde sorgfältig mit dem Hammer ausgeschmiedet.

 

 

 

 

 

 

 

Die Gerstenernte

 

Anfang Juli wurde als erste die Wintergerste abgemacht. 

Heinrich Schucht sen. Rollbachweg 5

 

 

 

 

 

 

 

Die Gerste lag gewöhnlich und musste dann mit der Sense oder dem Anmähblech abgemacht werden.

 

 

 

 

Heinrich Schucht sen., Rollbachweg 5

Nani Schucht Rollbachweg 5

 

 

 

 

 

 

Das Getreide wurde anschließend von Hand aufgenommen. Ein Armvoll bildete eine Garbe, die mit einem gedrehten Strohseil zusammengebunden wurde.

 

 

 

Nani Schucht, Rollbachweg 5 beim Abnehmen.

Garben aufgestellt zum Trocknen

War das Feld gemäht, stellte man die Garben in Haufen zu je zehn Garben zum Trocknen auf. Ob das Korn reif war, prüfte man mit einer einfachen Probe: Zerdrückte man ein Korn zwischen den Fingern und es knackte, konnte eingefahren werden.

 

 

Dreschen im Dreschschuppen

Gerste wurde fast immer im Dreschschuppen gedroschen. Erträge von 16 bis 20 Zentnern pro Morgen galten als sehr gut.

Dreschuppen

Der alte Dreschschuppen der Dampfdreschgenossenschaft steht noch heute im Kreuzungsbereich Tiestraße/ Maschstraße.

 

Die Roggenernte

 

Mitte Juli begann die Roggenernte. 

Dreschschuppen

Dreschschuppen der Motordreschgenossenschaft im Nitzgrund.

Heinrich Schäfer

Heinrich Schäfer mit der Mähmaschine

 

Auch bei der Roggenernte wurde zunächst mit der Sense oder der Mähmaschine mit Anmähblech gearbeitet. Das weitere Vorgehen war dasselbe wie bei der Gerste: aufnehmen, binden und die Garben zum Trocknen aufstellen.

 

Familie Dörhage

Werner und Alfred Dörhage Tiestraße 21

 

Nach etwa einer Woche war das Korn hart genug zum Einfahren.

Der Roggen kam zu Hause in die Scheune in den großen Bansen und musste dort „Ausschwitzen".

Tiestraße

Typische Durchfahrtsscheune mit großem Bansen.

 

Ausschwitzen in der Scheune

Zu Hause kamen die Garben in den großen Bansen der Scheune und mussten zunächst „ausschwitzen“.               

Dabei erwärmten sich die Garben mehrere Tage lang. Das Stroh wurde feucht, die Körner zäh. Erst nach diesem natürlichen Reifeprozess ließ sich das Getreide sauber dreschen.

 

Weizen und Hafer

 

Ab Anfang August wurden Weizen und Hafer geerntet.

Patent Fa. Lösekrug

 

Die Halme von Weizen und Hafer standen meist noch aufrecht. Dadurch kam häufig die Mähmaschine mit angebauter Handablage zum Einsatz. Sie legte jeweils genau die Menge Getreide ab, die für eine Garbe benötigt wurde. Das erleichterte den Erntehelfern die Arbeit erheblich.

Die Abnehmer brauchten nur das Strohseil, um die Garbe zu binden. Das Aufstellen in Haufen war gleich wie bei Gerste und Roggen, 

Der Hafer musste etwas länger in Haufen stehen. Kam dann eine Regenzeit und die Garben begannen auszuwachsen, mussten die Haufen umgestellt werden, damit die ausgetriebenen Körner wieder abtrocknen konnten.

 

 

 

 

 

 

Historisches Patent aus Bühren

Patent der Firma Lösekrug für eine Ablagevorrichtung an Mähmaschinen.

 

 

Erntekrone zur Kirmes

 

Mit der Kirmes und dem Kirmesumzug im September fand die Getreideernte ihren feierlichen Abschluss. 

Kirmesumzug mit Erntekrohne

 

 

 

 

 

 

Beim jährlichen Kirmesumzug trug der Gemeinderat traditionell die Erntekrone durch das Dorf – als Zeichen des Dankes für die eingebrachte Ernte.