Altdeutscher Acker- und Erntewagen

Georg Hoffmann Februar 2023

 

 

Ackerwagen

Kastenwagen

Leiterwagen

Leiterwagen

Gummiwagen

Gummiwagen

Vom Kastenwagen zum Gummiwagen – über Jahrhunderte das wichtigste Transportmittel der Bührener Bauern.

 

Wussten Sie schon?

  • 1415

    Erste lenkbare Wagen

  • 40 Zentner

    Maximale Zuladung

  • 750–1200 kg

    Eigengewicht

  • 1960er

    Gummiwagen lösen die Holzwagen ab

 

 

Der Kastenwagen

Altdeutsche Acker-Erntewagen

Altdeutscher Kasten- oder Flechtenwagen                     

 

Um 1415 entstanden in Nürnberg die ersten lenkbaren Wagen.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg erlebte der Wagenbau einen deutlichen Aufschwung.

Je nach Bedarf fertigten die Stellmacher im Dorf jährlich zwei bis drei Wagen unterschiedlicher Größe her, entweder spurige oder dreiviertelspurige Modelle. Das Gewicht eines solchen Wagens lag je nach Ausführung zwischen etwa 750 und 1200 Kilogramm.

 

Auslieferung mit dem Ackerwagen

Auslieferungsfahrt in die Stadt

 

Maximal konnten die Wagen bis zu 40 Zentner laden. Mit dieser Last fuhren die Bauern aus Bühren bis nach Hann. Münden und lieferten dort Kartoffeln an ihre Kunden. Während der Ernte wurden die Wagen auf den schlechten Feldwegen jedoch meist nur mit 20 bis 30 Zentnern beladen.

Der große, spurige Wagen hatte im ausgezogenen Zustand eine Länge von etwa 4,50 bis 5,50 Metern und besaß dadurch einen relativ großen Wendekreis.

 

Der Leiterwagen

Leiter Wagen

Leiterwagen

 

Zweimal im Jahr umgebaut

 

Zum Einbringen der Ernte wurde der Wagen entsprechend umgerüstet. Diese Umstellung erfolgte in der Regel zweimal im Jahr, erstmals vor der Sommerernte im Juni, wenn der Wagen zum Leiterwagen umgebaut wurde. Er diente dann zum Einbringen von Grummet, Heu und Halmgetreide.

Dazu wurde das Untergestell des Hinterwagens um etwa einen halben Meter verlängert und der Wagenboden gegen einen längeren ausgetauscht.

 

Zum Einbringen der Feldfrüchte (Kartoffeln, Rungschen usw.) wurde er wieder zum Kastenwagen umgestellt. 

Bei den großen Wagen befand sich die Bremse an den Vorderrädern, an den leichteren Wagen (für das bergige Gelände) meist an den Hinterrädern.

 

 

Ackerwagen mit Harkemaschine

Es ist angespannt, vor dem Haus Tiestr. 11

 

Der kleinere Wagen (dreiviertelspurig), auch „Einspänner“ genannt, hatte eine Länge von etwa drei Metern. Er wurde für leichtere Transportaufgaben eingesetzt, etwa zum Holen von Klee oder zum Transport von Gerätschaften wie Eggen sowie zum Anhängen eines Pfluges usw.

Klee holen mit dem Einspänner

Der Wagen wurde zum Kleeholen eingesetzt

 

Der Wagen war häufig mit einer sogenannten Scherendeichsel ausgestattet und konnte dadurch von nur einem Pferd gezogen werden.

 

Kleiner Ackerwagen

Der kleinere Wagen (¾ spurig) oder „Einspänner“

 

Hermann Winnemuth (Tiestraße 18) holte besonders gern mit dem Einspänner den Klee. Fuhr er dagegen mit zwei Pferden, stritten diese auf dem Kleefeld ständig darum, an welcher Stelle sie zuerst fressen wollten.

 

 

Der Gummiwagen

 

 

Gummiwagen

Im Volksmund "Gummiwagen" genannt

 

Mit dem Aufkommen der Traktoren in den 1960er-Jahren lösten die mit Gummi bereiften „Gummiwagen“ die altdeutschen Acker- und Erntewagen zunehmend ab.

 

 

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Speichenrad Durchmesser ca. 90 cm.

Speichenrad

Das Speichenrad bestand anfangs aus sechs bis acht Speichen in einer festen Nabe, die Felgenbreite betrug etwa 2,5 Zoll.

Für viele Generationen von Bauern in den umliegenden Dörfern war das Speichenrad ein beinahe unerschwingliches Wunderwerk. Vermutlich hielt es um 1800 Einzug in unserer Region.

Für die Herstellung eines einzigen Speichenrades benötigten zwei Handwerker rund 100 Arbeitsstunden. Kein Wunder, dass ein solches Rad für viele Bauern lange Zeit als kostbares Handwerksstück galt.

 

 

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Ob Kastenwagen, Leiterwagen oder Einspänner – erst das passende Geschirr machte aus Pferd und Wagen ein leistungsfähiges Gespann für die tägliche Arbeit auf Feld und Hof.

Siedel- oder Brustbandgeschirr

Siedelgeschirr

Diese Art von Pferdegeschirr fand vor allem in unserer Region Verwendung.

 

 

 

 

 

 

Kummetgeschirr

Reiter

 

In unserer Gegend kaum verwendet.

Nur wenn die Brust des Pferdes durch das Siedelgeschirr wundgescheuert war.

Kunnet-Geschirr

 

Das Kummetgeschirr wurde hauptsächlich zum Ziehen schwerer Lasten eingesetzt.

Der altdeutsche Acker- und Erntewagen prägte über Jahrhunderte das Bild der Bührener Feldflur. Erst mit dem Einzug der Traktoren und der gummibereiften Anhänger in den 1960er-Jahren verschwand dieses vielseitige Arbeitsgerät nach und nach aus dem Alltag. Seine Konstruktion, die handwerkliche Fertigung und die Erinnerungen der Zeitzeugen bewahren bis heute ein wichtiges Stück ländlicher Geschichte Bührens.