Veranstaltungs-Ticker

Kirche- Baugeschichte -Ausstattung

 

Zusammenstellung: Georg Hoffmann


Die Baugeschichte der evangelischen Kirche in Bühren ist durch die Aufzeichnungen
des Lehrers Fritz Bertram Jünemann aus Bühren umfassend dokumentiert.

 

 

Kirche um 1150

um 1150

 

 

 

Um 1150 entstand ein zweigeschossiger rechteckiger Bau mit Außenmaßen von 9,80 × 9,20 Metern. Die Steinmauern waren 1,70 Meter dick und an der Ostseite befand sich eine halbrunde Apsis. Das Erdgeschoss diente als Gottesdienstraum, dessen Eingang an der Nordseite lag. Das Obergeschoss wurde als Kornspeicher genutzt und war vermutlich über eine in das Mauerwerk der Südostecke eingelassene Wendeltreppe aus dem Inneren der
Kapelle erreichbar.

Kirche um 1200

um 1200

 

Um das Jahr 1220 begann an der Westseite der Kapelle der Anbau eines 8 × 8 Meter großen Wehrturms aus Bruchsteinen. Die Mauern waren 1,70 Meter stark, das Fundament sogar 2,00 Meter. Zur Kapelle hin betrug die Wandstärke hingegen nur 1,40 Meter. Mit zunehmender Höhe verringerte sich die Mauerstärke und erreichte in der Glockenstube noch 0,90 Meter. Eine 2,80 Meter breite Rundbogenöffnung im Erdgeschoss verband die Turmhalle mit dem Gottesdienstraum. Die Turmhalle besaß eine geschlossene Tonnengewölbedecke in 5,30 Metern Höhe. Der Zugang zu den oberen Geschossen des Turms erfolgte über die Treppe im Gottesdienstraum, die zum Kornspeicher führte. Zusätzlich befand sich an der
Westseite des Speichers eine weitere Treppe. Diese verlief durch die 3,10 Meter dicke Doppelwand von Speicher und Turm und endete oberhalb der Gewölbedecke. Der schmale Zugang diente zugleich der Verteidigung des Turms.

Kirche um 1308

um 1308

Ab 1308 wurde die bestehende Apsis im Osten entfernt und durch ein 8,90 × 8,20 Meter großes Chorhaus ersetzt. Die Mauern waren 0,90 Meter stark. Dieser Gebäudeteil erhielt eine Kreuzgewölbe- Decke und der Kornspeicher aus dem 1. Bauabschnitt wurde aufgegeben.
In diesem Zeitabschnitt wurde der Friedhof als Wehrfriedhof ausgebau.

Kirche ab 1777

ab 1777

Während des aufwendigen Umbaus von 1757 bis 1777 erhielt die Kirche ihr heutiges Erscheinungsbild, wobei die historisch gewachsene Dreigliedrigkeit verloren ging. Der gewünschte Platzgewinn wurde aber zum Ärger der Dorfbevölkerung durch den Umbau nicht erreicht, das sorgte für Unmut und zu Auseinandersetzungen mit dem Göttinger Baukommissariat. Abhilfe zu schaffen, ergriff die Gemeinde eigenständig Maßnahmen, wodurch sich die Fertigstellung des Umbaus über 20 Jahre hinzog. Zur Innenausstattung gehörten eine mpore und Kanzelaltar. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 1250 Reichstaler – ein Betrag, der dem Wert von 41 Zugpferden entsprach. Zur Erinnerung an die mühevolle Erweiterung der Kirche trägt noch heute die Wetterfahne die Jahreszahl 1777. 1902 durch Schmiedemeister Karl Schröder (Grund 1) erneuert.

Grundriss Kirche

Die Bührener Kirche erhielt ihre heutige Gestalt beim letzten großen Umbau in den Jahren 1757 bis 1777, wobei Restarbeiten in der Kirche und am Turm erst 1892 abgeschlossen werden konnten.

 

Quellen:         Karl Jünemann: Zeitungsberichte

    Fritz Bertram Jünemann: „Bühren vor dem Walde“

                        Dipl. Ing. Ulfrid Müller (Landeskirchenamt Hannover)

Seit 1883 schmücken zwei Linden das Portal der Kirche.

Sie wurden vom damaligen Kriegerverein anlässlich des 400. Geburtstags von Martin Luther gepflanzt.

 

In den Jahren 1987/88 fanden umfangreiche Renovierungsarbeiten am Gottesdienstraum statt. Während dieser Zeit wurden die Gottesdienste im Saal der Gaststätte „Zum Goldenen Stern“ (Oberdorfstraße 1) gefeiert. Der Innenraum der Kirche sowie die Orgel erhielten dabei ihr heutiges Erscheinungsbild mit einem gräulichen Farbanstrich. 

 

Im Zeitraum 2003/2004 wurden umfangreiche Reparaturarbeiten am Dachstuhl, am Dach sowie an der Orgel durchgeführt. Die Turmbekrönung wurde in diesem Zusammenhang von Metallbaumeister Heiko Dempewolf in Zusammenarbeit mit seinem Vater, dem Schmiedemeister Albert Dempewolf (Nitzgrund 10), erneuert. Als Vorlage diente die historische Wetterfahne aus dem Jahr 1777.

 

In den Jahren 2012 bis 2015 wurde ein Hausschwammbefall im Bereich des Altars sowie des Glockenturms fachgerecht beseitigt. Im Zuge dieser Sanierungsarbeiten wurden im Turmbereich zudem ein WC und eine Teeküche eingebaut.

Während der Restaurierungsphase fanden rund 30 Gottesdienste an ganz unterschiedlichen Orten im Dorf statt – darunter im Gemeindebüro, im Bewegungsraum des Kindergartens, im Freien neben der Kirche, auf dem Tie sowie in verschiedenen Scheunen des Dorfes.

Signet

9.03.2017
Verleihung des Signets „Verlässlich geöffnete Kirchen und Pilgerkirchen“.

 

2024
Die Bührener Kirche wird als Bestandskirche eingestuft. Das bedeutet, dass die Kirche mittelfristig weiter genutzt werden kann und weiterhin Fördermittel beantragt werden dürfen.

 

Besonderheiten und Ausstattung der Kirche:

Die Kirche von Bühren blickt auf eine lange Baugeschichte zurück, die sich auch in ihrer Ausstattung widerspiegelt.

Glocke um 1275
Glocke von 1473

Fotos: Deutsche Inschriften Online: Sabine Wehking

 

Zwei Glocken – die größere (links) wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, die kleinere (rechts) am 19. Juni 1473 auf dem nahegelegenen Tie gegossen.

 

Stolz klingen noch heute beiden Glocken im Kirchturm. Wie durch ein Wunder haben sie alle Kriegswirren überstanden und wurden nicht zur Waffenherstellung eingeschmolzen.

1975 wurde das elektrisches Läutewerk eingebaut

Beide Glocken laden zum Gottesdienst ein

 

Mehr zur Geschichte der Glocken

 

 

Turmuhr

 

Die J.F. Weule-Turmuhr

 

Still?

Oben im Kirchturm verrichtet seit August 1920 eine original erhaltene Turmuhr  

der Fa. J.F. Weuleopen_in_new  still und heimlich ihren Dienst.

Glockenturm mit Uhr

 

 

 

 

 

Heimlich?

Nein, die Zifferblätter der Turmuhr oben am Kirchturm, an der Süd- und Nordseite, sind weithin sichtbar.

 

Einmal in der Woche muß die Turmuhr mit der Hand aufgezogenopen_in_new werden.

 

 

 

11-Uhr-Schlagen-Läuten mit Ticken der Uhr

 

Mehr zur Geschichte der Turmuhr  

 

 

Der Gottesdienstraum

Gottesdienstraum

Zusammen mit der Empore bietet der Gottesdienstraum Platz für rund 150 Gottesdienstbesucher.

Der Raum selbst strahlt eine Atmosphäre schlichter Frömmigkeit aus.

 

 

Altar

Der heutige Kanzelaltar stammt aus der Zeit des großen Umbaus von 1757 bis 1777.

Opferstock

Alter Opferstock im Eingangsbereich
Aus einem mächtigen Eichenstamm gefertigt, erinnert der alte Opferstock an die jahrhundertealte Tradition der Kirchenspende.

Auch dieser stammt aus der Zeit des großen Umbaus.

 

 

 

Ein besonderes Kleinod der Kirche ist ein Abendmahlkelch aus dem 16. Jahrhundert, der bis heute Teil des Inventars ist.

Abendmahl Kelch

 

 

Abendmahlkelch
Versilbert, teilweise aus Kupfer gefertigt. Der Sechspaßfuß steht auf einer Sockelplatte und einer abgetreppten Zarge; in einem Segment des Fußes ist ein eingraviertes Scheibenkreuz zu sehen. Zwischen den sechsseitigen Schaftstücken befindet sich der oben und unten leicht abgeflachte Nodus mit Maßwerkornament. Auf den rautenförmigen Rotuli sind die Buchstaben der Inschrift in Kontur eingraviert. Die schlichte, glockenförmige Kuppa rundet das Gesamtbild ab.

Maße:

  • Höhe: 18,2 cm

  • Durchmesser Fuß: 13,5 cm

  • Durchmesser Kuppa: 10,3 cm

  • Breite des Fußes: 0,5 cm

 

 

 

Quelle: Deutsche Inschriften Online: Sabine Wehking

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Orgel

Die 1824 gebaute Kuhlmann-Orgel befindet sich noch in einem weitgehend ursprünglichen Zustand und gilt als authentischer Klangzeuge der Epoche.

 

Organistin Laura Bührmann spielt auf der "Kuhlmann- Orgel" den Johann-Pachelbei-Kanon

 

 

Mehropen_in_new zur Geschichte der Johann- Dietrich-Kuhlmann-Orgel open_in_new 

 

 

Taufstein

 

 

 

 

 

Bei Reparaturarbeiten am Mauerwerk der Südseite entdeckte man im Jahr 1901 ein außergewöhnliches Relikt: ein eingemauertes Weihwasserbecken. Zunächst wurde es an der Südostecke der Kirche im Freien aufgestellt.

1947 gelangte das Becken in die Aegidienkirche nach Münden, wo es überscharriert wurde. Die bis dahin unbehauene Seite erhielt dabei ein dekoratives Zierprofil.

Erst 1963 kehrte der ehrwürdige Vierkant nach Bühren zurück und dient seither in der Kirche als Taufstein. Der Maschinenbaumeister Manfred Fischer aus Bühren (Grund 9) fertigte eigens dafür eine passende Taufschale sowie eine Abdeckung an.

 

Weitere Infos zur Geschichte der Kirche

Von Herbst 1987 bis Ostern 1988 fand eine größere Renovierung des Kirchengebäudes statt.

 

Zwischen Juni 2012 und Mai 2015 war der Bereich um den Altar und Turm vom Hausschwamm befallen.

Es fanden in diesen drei Jahren umfangreiche Sanierungsarbeiten statt.

 

Im Frühjahr 2016 wurde ein Toilette und eine Küchenzeile im Erdgeschoss des Turmes eingebaut