Dampfzug: Repro privat na
Nach Göttingen trugen meistens einige Frauen ihre Kiepen voll bis zur Bahn nach Dransfeld. Manches Mal erbarmte sich auch jemand und spannte an. Da ist es auch mal passiert, daß beim Einsteigen in die Bahn eine Frau ins Stolpern kam und die Kiepe mit den aufgestapelten Körben kopfüber im Abteil landete. Eine andere hatte ihren Erlös vom Markt in ihrer halben Vorbindeschürze zusammengefaßt getragen.
Im Gedränge beim Einsteigen muß sich jemand bedient haben. Im Abteil angekommen, oh Schreck, oh Graus, das Geld war weg. Es sollte für die Aussteuer der Tochter gebraucht werden. Es war schwer verdient, nun war es futsch. Tränen haben ihr in den Augen gestanden.
Am nächsten Tag ging es wieder los, um die Haushaltskasse aufzubessern. Oft bei Mückenfliegengeschwirr und Wespenstechen. Ihre Nester machten einem oft Beine, wenn man plötzlich mittendrin stand. Sie wurden gezeichnet und weitergegeben. Holzböcke hatte man auch aufgesammelt, besonders auf den Plätzen im Farnkranz. Das wurde alles mit in Kauf genommen, auch nasse Füße. Gummistiefel waren noch keine Mode. Ein älterer Mann hatte sich einen Holzkamm gebastelt. Damit sah ich ihn mal im Gemeindewald sitzen und die Heidelbeeren von den kleinen Büschen abkämmen. Der Korb sah aus, mehr Blätter wie Beeren. Im Allgemeinen war das verboten. Im Gemeindewald, da durften eigentlich nur wir Bührener pflücken ohne Erlaubnisschein. Da er aber den Dankelshäusern und Mielenhäusern gelegen war, bedienten sie sich zu unserem Ärger gerne dort. Da kam es dann auch mal zu grober Beschimpfung. Da war aber der Varloser Gemeindewald, der an einigen Stellen neu aufgeforstet war und besonders dicke, gute Beeren hatte. Frühmorgens vor Tau und Tag auch mal dort rein, es war noch niemand zu sehen. Um die Aufforstung war ein Gatter und auf einmal kamen ein paar junge Männer an mit viel Geschimpfe und bevor sie unsere Körbe schnappten und beschlagnahmten oder ausschütteten, da blieb uns nur noch schnell die Flucht über den Zaun.
Drei Wochen dauerte die Haupternte-Pflückzeit, dann ließ die Gier nach und es gab für einige alleinstehende Frauen noch immer eine Nachlese.
Eigentlich wäre die Zeit zwischen Heu- und Getreideernte mal eine kleine geruhsame Pause gewesen. Aber nichts da, die Heidelbeeren hatten es uns angetan. Mit dem Schmalzen- oder Wurstbrot, meistens auf dem Buckel – um die Taille gebunden, ging es immer wieder los.