Heidelbeeren - Foto:Ellie Burgin pexels.com
Eine besondere Zeit im Bramwald
Die Heidelbeeren gehörten für viele Bührener Familien zum Sommer wie Heuernte und Ferien. Schon Wochen vor der Reife fieberten die Menschen dem Beginn der Pflückzeit entgegen.
Bei uns im Bramwald wuchsen sie, die kleinen begehrten Früchte. Wir Dorfbewohner und viele andere aus den umliegenden Dörfern wußten sie zu schätzen. „Ja, ja, Halebirn, wenn se man irst raipe würn“. So war es aber auch. In Gedanken war man schon lange vor ihrer Reife meist Ende Juni alle Tage dabei und freute sich auf die Pflückzeit, den Aufenthalt im Wald und auf der Heide und dem erbrachten Erlös bei ihrem Verkauf. Sie waren für viele Einwohner eine schöne Zwischenernte.
Hoffen auf eine gute Ernte
Wenn ihre Blütezeit begann, hieß es: „Hoffentlich verfraset se nich“. Das passierte auch oft noch im Mai. Da sie aber nacheinander blühten und reiften und auch an vielen geschützten Stellen standen, da blieben dann meist noch Plätze über, wo man pflücken konnte. Wir kannten diese Stellen und die Holzhauer schauten nach und teilten sie ihren Nächsten mit, auch sonst, wo die besten Beeren standen.
Erst die Arbeit, dann die Beeren
Dann war noch eine Sorge: „Hoffentlich kriegen wir das Heu bis dahin unter Dach und Fach“. Das war auch noch so ein Problem für mich, denn vorher durfte – konnte ich auch nicht gehen. Nur ab und zu für eigenen Gebrauch zum Kuchenbacken, was alle 14 Tage passierte im großen Lehmbackofen. Und dann: „Oma, backe doch mal Puffer“. Ja, denn mouste rasch en paar Halebirn langen. Puffer ohne Heidelbeerkompott, das war keine richtige Mahlzeit, da fehlte was.
Hutewald Lange Bahn - Heimatfreunde Bühren 2001 -
Der Förster und die Pflückscheine
Ab Juli ging die Pflückerei dann richtig los und die Scheine wurden ausgegeben. Aber wenn schon festgestellt wurde, daß vorher sich schon ein paar blaue Beeren zeigten, dann gab es keinen Halt. Trotz Verbot und Pflückschein ging es in den Wald. Manchmal hatte man mehr rote wie blaue Beeren im Korb.
Förster Gronemann - Foto: Ursula Steveling
Es machte auch Spaß, sich vom Förster nicht erwischen zu lassen. Man mußte damit rechnen, wie es schon passiert war, daß er die Körbe mit den Beeren ausschüttete und zertrampelte.
Kam er in Sicht, dann wurde reißaus genommen, oder sich verkrochen. Die Scheine wurden gerne von unserer Försterei verkauft, aber von uns nicht gerne bezahlt. Das Geld dafür wurde gespart. Aber auf die Dauer, wenn man tagelang ging, fast täglich, dann war doch besser, man kaufte sich einen Erlaubnisschein, denn die Sache war doch zu aufregend.
"Völkerwanderung" in den Bramwald
Mit Pferd und Wagen in die Heidelbeeren
Bühren, schon bekannt als „Ferkeldorf“, so auch genannt: „Dat Halebirndörp“. Hatte es sich herumgesprochen, „Se sind raipe“, dann ging die Völkerwanderung los, zu Fuß, per Fahrrad und mit Roß und Wagen. Ganze Leiterwagen, voller Frauen und Kinder, ein paar Männer waren auch meist dabei, kamen angefahren zum Ärger unserer Dorfbewohner.

Henkelpöttchen
Die Auswärtigen blieben meist vorne im Walde, dem Nollenholz und rechts des Krümmeneckern, hängen. Sie pflückten auch meist nur in ihre Henkelpötte und vor den Bauch gebundenen kleinen Gefäßen für den eigenen Bedarf. Wir amüsierten uns darüber, denn wir kannten und nahmen nur unsere extra dafür gekauften Heidelbeeren-Spankörbe in die linke oder rechte Hand beim Pflücken. Meist hatten sie auch bald die Nase voll, denn wie man sie oft stöhnen hörte:
„Nä, nä, ssauwatt kann man nicht alle Doje moken“. Wir verzogen uns mehr in die Waldeseinsamkeit, denn diese Schnabbelei war nicht gut zu ertragen.
Schule, Kiepe und volle Körbe
Hella Winnemuth (1997)
Ich schloß mich meist meiner Freundin von der Nachbarschaft an. Deren Mutter ging schon morgens mit der Kiepe los, worin sie ihre Körbe unterbrachte. Wir hatten ja meist noch eine Woche Schule bis zu den Sommerferien. Nach dem Unterricht wußten wir, wo sie ungefähr pflückte. Angekommen dort, hörten wir immer wieder den guten Rat: „Nau plücket man schön joue Körbe vull“.