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Zwetschen- oder Pflaumenmus kochen

Von Georg Hoffmann

 

 Hermann Winnemuth 

nach Erinnerungen von Hermann Winnemuth

 

Das Kochen von Zwetschenmus gehörte einst zu den Arbeiten im Herbst. Viele Hände halfen mit, damit aus den reifen Früchten ein haltbarer Vorrat für den Winter entstand.

Früher standen in fast jedem Obstgarten sowie auf Wiesen, Weiden und entlang der Feldwege Zwetschen- und Pflaumenbäume. Ihre Früchte gehörten zu den wichtigsten Vorräten für den Winter.

 

Im Herbst, wenn die Früchte reif waren, wurde daraus das beliebte Zwetschen- oder Pflaumenmus gekocht. Diese Arbeit gehörte zum früheren bäuerlichen Leben. 

Zwetschenmus gehörte damals zu einem wichtigen Brotaufstrich. Es durfte weder beim Frühstück noch zum Nachmittagskaffee fehlen.

 

Die Ernte

Das Schütteln oder Pflücken der Zwetschen war überwiegend Männersache. Anschließend mussten die Kinder beim Auflesen der Früchte helfen. Transportiert wurden sie in Waschkörben oder großen Wannen nach Hause.

 

Gemeinsam entsteinen

Bereits am Vortag des Muskochens begann die Vorbereitung. Die Zwetschen wurden gewaschen und anschließend von Hand entsteint.

Meist saßen die Frauen gemeinsam im Kreis um die Körbe mit den Früchten. Mit einem kleinen Schälmesser wurde jede Zwetsche eingeritzt und der Stein herausgedrückt. Diese Arbeit war mühsam, ging auf die Finger und färbte sie durch den Fruchtsaft oft tagelang dunkel.

Langweilig wurde es dabei jedoch nie. Während der Arbeit erzählte man Neuigkeiten aus dem Dorf, erinnerte sich an vergangene Zeiten und tauschte Geschichten aus.

 

 Schlachtekessel Foto: Georg Hoffmann

Acht bis zwölf Stunden am Kessel

Am frühen Morgen wurde der große Wasch-, Brüh- oder Schlachtekessel angeheizt. Die Zwetschgen kamen ohne Zucker in den Kessel und wurden acht bis zwölf Stunden langsam eingekocht.

 

 Muskrücke Foto: Museumsscheune Blankensee

Nun hieß es ununterbrochen rühren. Mit einer Muskrücke oder Muskeule musste das Mus ständig bewegt werden, damit es nicht anbrannte. Diese schwere Arbeit erforderte Kraft und Ausdauer. Deshalb wechselten sich die Männer regelmäßig beim Rühren ab.

 

Wann war das Mus fertig?

Fertig war das Zwetschenmus, wenn es eine dunkelbraune Farbe angenommen hatte und nicht mehr vom Löffel tropfte.

Nun wurde das Feuer gelöscht und das noch heiße Mus in Steintöpfe oder große Gläser gefüllt. Damit sich kein Schimmel bildete, stellte man die Gefäße anschließend in den warmen Backofen. Dort entstand an der Oberfläche eine feste Schutzschicht, die das Mus auf natürliche Weise versiegelte.

Zum Schluss erhielt jeder Helfer seinen Anteil am frisch gekochten Zwetschenmus.

 

 

Erinnerung an eine alte Tradition

 Musglas Foto: Georg Hoffmann

Heute wird das traditionelle Zwetschenmuskochen nur noch gelegentlich gepflegt. Meist werden kleinere Mengen im Bratentopf oder ähnlichen Gefäßen langsam im Backofen oder auf dem Herd eingekocht. 

Dennoch erinnert diese alte Tradition an eine Zeit, in der gemeinschaftliche Arbeit und gegenseitige Hilfe den Alltag auf den Bauernhöfen prägten.