Hügel und Graben markieren die Grenze nach Dankelshausen
Wussten Sie schon?
Gemarkungsgrenze der Gemeinde Bühren: rund 12,5 km
Grenze zu Dankelshausen seit 1772 mit Grenzsteinen markiert ¹
Grenzbierfest alle 10 Jahre
Grenzgang auf zwei Jahre verteilt
Gemarkungsgrenze früher
In früheren Zeiten wurden die Grenzen der Dörfer und Gemarkungen anhand auffälliger Landschaftsmerkmale festgelegt. Dazu gehörten Bäche, Hügel, Gräben, Wälle und Wege. Auch markante Bäume und Hecken dienten als Orientierungspunkte und kennzeichneten den Grenzverlauf.
Erst später begann man, behauene Steine – sogenannte Grenzsteine – zur dauerhaften Kennzeichnung der Gemarkungsgrenzen aufzustellen.
Grenzsteine als dauerhafte Markierung ¹
1771 wurde „zu Regulierung der Forst- und Jagdgrentze zwischen den Bührischen Bauers-Höltzen und der Dankelshausischen Feldmark“ ein Vertrag geschlossen. Darin wurde festgelegt, dass 162 Grenzsteine angefertigt werden sollten.
Die beiden Bührener Müller Frantz Wilhelm Heipke und Ricus Christoph Ernst übernahmen die Herstellung. Die Steine sollten „tüchtige und dauerhafte“ sein. Auf der einen Seite wurde eine „Wolfs-Angel“, auf der anderen die laufende Nummer des Steines eingehauen.
Am 20. Oktober 1772 wurden die Steine schließlich eingesetzt. Dabei waren unter anderem der Bauermeister Heipke, die Gemeindevorstände und „verschiedene alte Einwohner“ Bührens anwesend.
Die Regierung wandte hierfür insgesamt 36 Rth.
Wolfsangel
Das Grenzbierfest – eine alte Tradition
Das Grenzbierfest gehört zu den ältesten Bräuchen Bührens. Ursprünglich diente der Grenzgang dazu, die Gemarkungsgrenzen und Grenzsteine zu den Nachbargemeinden zu kontrollieren. Heute erinnert das Fest an diese Tradition und bringt alle zehn Jahre Einheimische, ehemalige Bührener sowie Gäste aus den Nachbardörfern zusammen.
Schwieriges Gelände im Bauernbusch
Der Grenzgang
Alle zehn Jahre wird in Bühren die alte Tradition des Grenzgangs wieder lebendig.
Der Grenzgang wird auf zwei Jahre verteilt. Im ersten Jahr führt die Strecke von der Dankelshäuser Straße am Bramwald entlang bis zur Ellershäuser Straße. Im zweiten Jahr geht es weiter an der Varloser Grenze entlang, durch den Bauernbusch und zurück zur Dankelshäuser Straße.
Nach alten Überlieferungen diente der Rundgang dazu, die Grenzsteine zu kontrollieren und sicherzustellen, dass der Grenzverlauf unverändert geblieben und alle Grenzsteine noch vorhanden waren. Die Organisation übernimmt jeweils der Verein, der sonst im betreffenden Jahr die Bührener Kirmes ausrichten würde. Im Jahr des Grenzbierfestes gibt es keine Kirmes.
Im ersten Jahr von der Dankelhäuser Straße aus zum Bramwald und hier weiter bis zur Ellershäuser Straße.
Grenzgang mit der Feuerwehrkapelle Varlosen
Im zweiten Jahr weiter die Varloser Grenze, durch den Bauernbusch bis zur Dankelshäuser Straße.
Grenzstein Versteigerung Uwe Krekeler
Grenzsteine werden versteigert
Bei Blasmusik und einem zünftigen Frühstück werden die unterwegs angetroffenen Grenzsteine versteigert. Dazu sind auch die Bewohner der angrenzenden Nachbardörfer eingeladen.
„Grenzstreitigkeiten“ können so gleich vor Ort geklärt werden. Der ersteigerte Stein wird mit den Anfangsbuchstaben des neuen „Besitzers“ versehen. Mit der Übergabe des Geldes wird der „Vertrag“ mit einem „Kurzen“ besiegelt.
Grenzgang 1927
Für die Musik sorgte Kapellmeister Heinrich Schröder (heutiges Haus Oberdorfstraße 6).
In den späteren Jahren spielte die Kapelle Kulle aus Varlosen.
Beim Grenzgang waren nur Männer und Kinder dabei.
Für das Frühstück sorgte Hausschlachter August Winnemuth (heutiges Haus Tiestraße 18).
Es wurde Bratwurst mit Brötchen zum Preis von ca. 60 Pfennigen, Blutwurst und Leberwurst verkauft. Die Brötchen wurden aufgeschnitten und die Wurst kam hinein. Die Brötchen lieferte die Bäckerei Koch aus Oberscheden. Vom jeweiligen Festwirt wurde Fassbier ausgeschenkt.
Wer einen Stein ersteigert hatte, musste sich auf diesen stellen. Er bekam eine Ohrfeige und einen Schnaps, damit er sich immer an die Stelle erinnert, wo sein Stein steht. Auch wurden die Anfangsbuchstaben mit weißer Farbe auf den Stein aufgetragen.
Eine heitere Begebenheit
Beim Frühstück im Bauernbusch ereignete sich eine Geschichte, über die noch lange gelacht wurde.
Heinrich Ritter (heutiges Haus Unterdorfstraße 6) hatte schon einige Zeit starke Zahnschmerzen. Karl Feilke, Mieter im heutigen Haus Tiestraße 16 wurde wegen seiner Zahnbehandlungen im Dorf scherzhaft „Dr. Oberdick“ genannt. In Dransfeld praktizierte zu dieser Zeit tatsächlich ein Arzt Dr. Oberdick.
So auch an diesem Tag beim Grenzgang im Bauernbusch. Um den leidigen Patienten von seinen Schmerzen zu befreien, band Feilke einen Faden, den er immer in der Tasche trug, um den vermeintlich schmerzenden Zahn. Mit einem kräftigen Ruck war er draußen. „Och Herr Dr., da haben Sie mir doch den falschen gezogen“. Der kranke Zahn wurde dann aber nicht mehr gezogen, denn das Blut lief ihm schon am Munde herunter. Wie das mit den Zahnschmerzen war, ist heute nicht mehr bekannt.
Historische Überlieferung
Vor vielen Jahren gab es einmal Streit darüber, ob das Waldstück Bauernbusch dem Baron von Stockhausen aus Wellersen oder nach Bühren gehörte. Bei der anstehenden Gerichtsverhandlung fragte der Richter einen alten Bauern aus Bühren:
„Wie heißt denn dieses Waldstück?“
Der Bauer antwortete wahrheitsgemäß:
„Bauernbusch“.
Für den Richter war jetzt die Lage klar:
„Wenn das Waldstück ,Bauernbusch' heißt, dann kann es nur den Bauern aus Bühren gehören“!
Der Streit war entschieden, seitdem gehört der Bauernbusch zu Bühren!
Grenzverlauf der Gemeinde Bühren
Karte mit dem Verlauf der Gemarkungsgrenze
Historische Flurnamenkarte der Gemeinde Bühren
Teilansicht der historischen Flurnamenkarte der Gemeinde Bühren